Wie viel Schmerzensgeld bekomme ich?

Das hängt natürlich in erster Linie von den erlittenen Verletzungen ab. Die von deutschen Gerichten zuerkannten Schmerzensgelder sind dabei jedenfalls geringer als man es bspw. aus den USA gewohnt ist.

Das Schmerzensgeld soll den erlittenen Schmerz aufwiegen: Das Opfer erhält Geld, um sich davon eine schöne Zeit leisten zu können – als Gegengewicht zur weniger schönen Zeit, als es unter der Straftat leiden musste.

Diese Rechnung geht natürlich nicht ganz auf. Viele Opfer leiden ein Leben lang und manche Verletzungen lassen sich einfach nicht in Geld aufwiegen.

Insofern sollte man das Schmerzensgeld einfach als teilweise Genugtuung ansehen. Die individuelle Höhe ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Einen groben Anhaltspunkt liefern Schmerzensgeldtabellen, die man im Internet findet.

Wann wird ein Nebenklägeranwalt vom Gericht bestellt?

§ 397a Abs. 1 StPO sieht vor, dass dem Nebenkläger auf seinen Antrag hin ein Anwalt bestellt wird. Dabei muss unterschieden werden; einen Anwalt erhalten

  • stets
    • Opfer von sexueller Nötigung, Vergewaltigung, sexuellen Missbrauchs widerstandsunfähiger Personen
    • Opfer von Menschenhandel
    • Opfer eines versuchten Mordes oder Totschlags
    • Angehörige von Opfern eines vollendeten Mordes oder Totschlags
  • nur beim Vorliegen schwerer körperlicher oder seelischer Schäden
    • Opfer von schwerer Körperverletzung und Genitalverstümmelung
    • Opfer von Menschenraub, Verschleppung und Entziehung Minderjähriger
    • Opfer von Nachstellung („Stalking“), Freiheitsberaubung, erpresserischen Menschenraubs und Geiselnahme
    • Opfer von Raub, räuberischem Diebstahl, räuberischer Erpressung und räuberischem Angriff auf Kraftfahrer
  • nur, wenn sie zum Tatzeitpunkt minderjährig waren oder sie ihre Interessen selbst nicht ausreichend wahrnehmen können
    • Opfer sexuellen Missbrauchs und anderer Sexualstraftaten in jedweder Konstellation
    • Opfer der Misshandlung von Schutzbefohlenen
  • nur wenn sie zum Zeitpunkt der Antragstellung minderjährig waren oder sie ihre Interessen selbst nicht ausreichend wahrnehmen können
    • Geschädigte einer Aussetzung
    • Geschädigte einer schweren Körperverletzung oder einer Genitalverstümmelung
    • Geschädigte des Menschenhandels, des Menschenraubs und der Verschleppung Minderjähriger
    • zwangsverheiratete Personen
    • Geschädigte einer schweren Nachstellung
    • Geschädigte des erpresserischen Menschenraubs und der Geiselnahme
    • Geschädigte einer Nötigung in einem besonders schweren Fall
    • Geschädigte eines Raubes, räuberischen Diebstahls, einer räuberischen Erpressung oder eines räuberischen Angriffs auf Kraftfahrer

Ansonsten eröffnet Abs. 2 die Möglichkeit, dass man zumindest noch Prozesskostenhilfe bekommt, wenn man sich einen Anwalt nicht leisten kann und einem die selbstständige Wahrnehmung seiner Interessen nicht zuzumuten ist.

Warum sind Adhäsionsverfahren so selten?

Viele Gerichte entscheiden, dass der Adhäsionsantrag nicht zur Entscheidung im Strafverfahren geeignet ist. Dies liegt zum einen wohl daran, dass sich das Urteil dadurch – was § 406 Abs. 1 Satz 2 StPO verhindern will – notgedrungen verzögern würde.

Zum anderen haben wohl manche Richter auch Hemmungen, hier eine Frage zu entscheiden, die eigentlich zu einem anderen Rechtsweg gehört. Während sie es gewohnt sind, bspw. bei Körperverletzungen ein angemessenes Strafmaß festzulegen, haben sie deutlich weniger Erfahrung darin, das richtige Schmerzensgeld auszuurteilen.

Hab ich ein Recht auf Durchführung des Adhäsionsverfahrens?

Grundsätzlich schon. § 406 Abs. 1 StPO statuiert die Pflicht des Gerichts, über einen Adhäsionsantrag zu entscheiden. Allerdings kann er abgelehnt werden, wenn er das Verfahren verzögern würde oder sich sonst „zur Erledigung im Strafverfahren nicht eignet“. Dies steht weitgehend im Ermessen des Gerichts und wird relativ häufig angenommen.

Was ist ein Opferanwalt?

Als Opferanwalt bezeichnet man den Rechtsanwalt eines Geschädigten im Strafverfahren. Damit steht er dem Strafverteidiger gegenüber.

Dabei gibt es keine spezielle Ausbildung als Opferanwalt. Auch ist der Opferanwalt nicht zwangsläufig ein Fachanwalt o.ä. Vielmehr ist die Tätigkeit als Opferanwalt lediglich eine konkrete Funktionsbeschreibung.

Persönliche Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Hummel:

Ich bin regelmäßig als Opferanwalt tätig.

Dabei stehen regelmäßig andere Qualitäten als die kühle Einschätzung der Rechtslage und das Formulieren von Anträgen im Mittelpunkt. Vielmehr geht es darum, dem Geschädigten Gehör zu verschaffen und ihm die Sicherheit zu geben, nicht allein zu sein.

Zugleich müssen aber auch die juristischen Prozeduren beachtet werden. Durch frühzeitige Akteneinsicht kann ich mich über den Stand des Verfahrens und die Sicht von Staatsanwaltschaft und Beschuldigtem informieren. Gemeinsam mit Ihnen bespreche ich dann, welche Stellungnahmen abzugeben sind und welche Beweise ggf. vorgebracht werden können.

Im Prozess werde ich Ihre Position gegenüber dem Gericht vertreten.

Weitere Informationen:

Der Täter wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Bekomme ich die als Opfer?

Nein.

Die Geldstrafe geht an den Staat und dient ausschließlich als Sanktion für die Straftat. Sie fließt daher auch an den Staat, nicht an das Opfer der Straftat.

Wenn das Opfer Ansprüche gegen den Täter hat, muss es diese selbst zivilrechtlich geltend machen. Dies geschieht als separate Zivilklage oder seltener als Adhäsionsklage im Rahmen des Strafverfahrens.

Was kostet mich der Anwalt für die Nebenklage?

Die Anwaltsgebühren des Nebenklagevertreters entsprechen denen des Verteidigers. Sie setzen sich regelmäßig zusammen aus:

  • Grundgebühr für die Einarbeitung in die Sache – 200 Euro
  • Verfahrensgebühr für das Ermittlungsverfahren – 165 Euro
  • Verfahrensgebühr für das gerichtliche Verfahren – 165 Euro
  • Terminsgebühr pro Hauptverhandlungstag – 275 Euro

Wird die Sache erstinstanzlich nicht vor dem Amtsgericht, sondern vor dem Landgericht verhandelt, so erhöhen sich die beiden letztgenannten Gebühren um 20 bzw. 45 Euro.

Hinzu kommt jeweils noch eine Portopauschale von 20 Euro sowie die Mehrwertsteuer von 19 %.

Dies sind nur die Regelgebühren, die für eine Sache mittleren Umfangs und mittlerer Schwierigkeit angesetzt werden können, ohne dass es einer besonderen Begründung bedarf. Die Grundgebühr kann bspw. zwischen 40 und 360 Euro festgelegt werden. Eine definitive Aussage, welche Kosten anfallen, ist also nicht zu treffen.

Persönliche Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Hummel:

Bevor ich Ihr Nebenklagemandat übernehme, schließe ich stets eine detaillierte Vergütungsvereinbarung mit Ihnen, die die Besonderheiten des Mandats und auch Ihre Vermögenssituation ausreichend berücksichtigt.

Diese umfasst dann normalerweise alle anfallenden Einzelgebühren, sodass Sie eine Summe „schwarz auf weiß“ sehen und nicht von zusätzlichen Beträgen überrascht werden.

Dann haben Sie die Sicherheit, welche Kosten auf Sie zukommen.

Was ist das Adhäsionsverfahren?

Im Adhäsionsverfahren (§ 403 StPO) wird über zivilrechtliche Ansprüche im Strafverfahren entschieden. Dadurch soll die Abwicklung beschleunigt werden, da der Richter, der ohnehin strafrechtlich über die Sache entscheiden muss, zugleich die zivilrechtliche Seite beurteilt.

Voraussetzung ist aber, dass der Richter die Sache für geeignet hält, im Strafverfahren entschieden zu werden. Dies wird relativ häufig abgelehnt. Dann kann der Geschädigte seine Rechte natürlich noch vor den normalen Zivilgerichten wahrnehmen.