Wann wird ein Nebenklägeranwalt vom Gericht bestellt?

§ 397a Abs. 1 StPO sieht vor, dass dem Nebenkläger auf seinen Antrag hin ein Anwalt bestellt wird. Dabei muss unterschieden werden; einen Anwalt erhalten

  • stets
    • Opfer von sexueller Nötigung, Vergewaltigung, sexuellen Missbrauchs widerstandsunfähiger Personen
    • Opfer von Menschenhandel
    • Opfer eines versuchten Mordes oder Totschlags
    • Angehörige von Opfern eines vollendeten Mordes oder Totschlags
  • nur beim Vorliegen schwerer körperlicher oder seelischer Schäden
    • Opfer von schwerer Körperverletzung und Genitalverstümmelung
    • Opfer von Menschenraub, Verschleppung und Entziehung Minderjähriger
    • Opfer von Nachstellung („Stalking“), Freiheitsberaubung, erpresserischen Menschenraubs und Geiselnahme
    • Opfer von Raub, räuberischem Diebstahl, räuberischer Erpressung und räuberischem Angriff auf Kraftfahrer
  • nur, wenn sie zum Tatzeitpunkt minderjährig waren oder sie ihre Interessen selbst nicht ausreichend wahrnehmen können
    • Opfer sexuellen Missbrauchs und anderer Sexualstraftaten in jedweder Konstellation
    • Opfer der Misshandlung von Schutzbefohlenen
  • nur wenn sie zum Zeitpunkt der Antragstellung minderjährig waren oder sie ihre Interessen selbst nicht ausreichend wahrnehmen können
    • Geschädigte einer Aussetzung
    • Geschädigte einer schweren Körperverletzung oder einer Genitalverstümmelung
    • Geschädigte des Menschenhandels, des Menschenraubs und der Verschleppung Minderjähriger
    • zwangsverheiratete Personen
    • Geschädigte einer schweren Nachstellung
    • Geschädigte des erpresserischen Menschenraubs und der Geiselnahme
    • Geschädigte einer Nötigung in einem besonders schweren Fall
    • Geschädigte eines Raubes, räuberischen Diebstahls, einer räuberischen Erpressung oder eines räuberischen Angriffs auf Kraftfahrer

Ansonsten eröffnet Abs. 2 die Möglichkeit, dass man zumindest noch Prozesskostenhilfe bekommt, wenn man sich einen Anwalt nicht leisten kann und einem die selbstständige Wahrnehmung seiner Interessen nicht zuzumuten ist.