Erfahre ich die Adresse des Täters aus den Akten?

Prinzipiell schon, allerdings sollten Sie mit diesem Wissen sehr vorsichtig sein.

Wenn Sie eine zivilrechtliche Klage auf Entschädigung einreichen wollen, dann können sie die Anschrift natürlich verwenden. „Besuchen“ sollten Sie den Täter aber keinesfalls. Und veröffentlichen dürfen Sie diese Daten auch nicht.

Kann ich selbst verlangen, dass der Täter verhaftet wird?

Nein, es gibt dahingehend kein Antragsrecht des Opfers.

Allerdings ist die Wiederholungsgefahr durchaus ein Haftgrund. Wenn also das Opfer belegen kann, dass der Täter weiterhin eine Gefahr darstellt und ggf. weitere Taten angekündigt hat, sollte dies über die Polizei der Staatsanwaltschaft mitgeteilt werden.

Ebenso wäre das bei Verdunklungsgefahr der Fall. Wird das Opfer also bedroht, damit es nicht oder entlastend aussagt, dann könnte das einen Haftbefehl rechtfertigen.

Einen Anspruch darauf, dass Staatsanwalt und Gericht auch wirklich darauf hinwirken, hat man aber nicht. Ebenso gibt es keine Rechtsmittel des Opfers.

Ich bin mit dem Urteil nicht einverstanden. Kann ich Rechtsmittel einlegen?

Als Geschädigter hat man an sich keine Rechtsmittelbefugnis.

Anders ist dies aber, wenn man Nebenkläger ist. Der Nebenkläger kann selbst Rechtsmittel einlegen (§ 400 StPO). Das Rechtsmittel darf aber nicht allein deswegen eingelegt werden, um eine höhere Strafe zu erreichen; angefochten werden kann also in erster Linie ein Freispruch.

Wichtig ist, dass man die Position des Nebenklägers auch noch nach dem Urteil einnehmen kann, um Rechtsmittel einzulegen.

Wann kann ich mich als Nebenkläger anschließen?

Der Anschluss als Nebenkläger ist in jeder Lage des Verfahrens zulässig (§ 395 Abs. 4 Satz 1 StPO).

Die Erklärung kann also schon bei Erstattung der Strafanzeige, aber auch erst nach ergangenem Urteil (zur Einlegung von Rechtsmitteln) erfolgen. Die Anschlusserklärung erfolgt schriftlich gegenüber der Staatsanwaltschaft oder dem Gericht (§ 396 Abs. 1 StPO).

Darf ich als Opfer eigene Beweisanträge stellen?

Das kommt darauf an:

In der einfachen Position als Opfer haben Sie kein Beweisantragsrecht. Allerdings sollten Sie mögliche Beweise bereits der Polizei oder Staatsanwaltschaft mitteilen, damit diese dann selbstständig diese Beweise erheben können. Das wird dann in aller Regel auch geschehen, wenn es sachdienlich erscheint.

Sind Sie dagegen Nebenkläger, haben Sie als Prozessbeteiligter auch ein Antragsrecht. Eine beantragte Beweiserhebung kann dann nur unter sehr engen Voraussetzungen abgelehnt werden.

Ich will an einem Täter-Opfer-Ausgleich teilnehmen, aber dem Täter nicht persönlich begegnen. Was kann ich tun?

Einen Täter-Opfer-Ausgleich sollten Sie nie persönlich verhandeln oder abschließen. Gerade eine persönliche Begegnung mit einem Gewalttäter ist einem Opfer kaum zuzumuten – das Aufeinandertreffen vor Gericht ist oft schon traumatisch genug.

Es ist viel besser, wenn Sie Ihren Anwalt mit der Durchführung des Täter-Opfer-Ausgleichs beauftragen. Dieser ist nicht emotional involviert und kann rein aufgrund der Sachlage Ihre Position vertreten. Und er weiß viel besser, welche Vorgehensweise üblich ist und was er für Sie erreichen kann.

Muss ich an einem Täter-Opfer-Ausgleich teilnehmen?

Nein. Das Täter-Opfer-Ausgleich wird von manchen Beschuldigten und ihren Anwälten angestrengt, um einen Strafnachlass zu erreichen.

Das Opfer ist aber keineswegs verpflichtet, daran teilzunehmen. Er kann seine Schmerzensgeld- und Schadenersatzansprüche auch ganz normal im Zivil- oder Adhäsionsverfahrengeltend machen.

Auch eine moralische Pflicht gibt es nicht. Zum einen sind Sie als Geschädigter dem Täter natürlich nichts „schuldig“. Zum anderen kommt es für die Strafzumessung auch nur auf das eigene Bemühen des Täters an. Ist das Bemühen erfolglos, weil das Opfer nicht mitwirkt, wird es dem Täter trotzdem positiv angerechnet.

Was ist ein Täter-Opfer-Ausgleich?

Beim Täter-Opfer-Ausgleich bemüht sich der Täter selbst um den Ausgleich mit dem Opfer, also um die Wiedergutmachung des Schadens. Häufig beinhaltet der TOA auch ideelle Leistungen wie eine Entschuldigung.

Der TOA führt häufig zu einer Strafmilderung für den Täter. Für das Opfer ist es von Vorteil, dass es zumindest eine gewisse Entschädigung relativ schnell erhält, ohne ein zusätzliches Gerichtsverfahren anstrengen zu müssen.

Die Zustimmung des Opfers zu einem TOA bedeutet keinen Verzicht auf weitergehende Ansprüche.

Muss ich vor Gericht alles nochmal erzählen?

Ja, das ist leider kaum zu umgehen. Das Gericht muss sich seine Überzeugung direkt aus den zur Verfügung stehenden Beweismitteln bilden und dazu gehört auch, dass das Opfer (auch wenn es bereits vor der Polizei, der Staatsanwaltschaft oder dem Ermittlungsrichter ausgesagt hat) noch einmal dem Richter die Tat schildern muss.

Wenn alle Beteiligten zustimmen, kann jedoch das Protokoll einer früheren Vernehmung oder eine schriftliche Schilderung des Opfers in der Hauptverhandlung verlesen werden (§ 251 Abs. 1 Nr. 1 StPO). Bei bestimmten Straftaten können Minderjährige auch per Video („Bild-Ton-Aufzeichnung“, § 255a StPO) vernommen werden, die dann im Gerichtssaal vorgespielt wird.